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An dieser Stelle dokumentieren wir vergriffene politische Bücher und Broschüren, die in den 1970er und 1980er Jahren erschienen sind. Sie stehen teilweise im Volltext zur Verfügung. Weitere Volltexte sind auf Anfrage für den privaten Gebrauch verfügbar.

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Die Münchner Philosophie

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München 1987
122 Seiten, A5
ISBN
3-922935-24-9

Kritik der bürgerlichen Wissenschaft
Die Münchner Philosophie
Ethik, Logik und Wissenschaftstheorie
Sinnstiftung und Skepsis – Das Programm einer wieder in Mode gekommenen Beamtenwissenschaft

Der folgenden intellektuellen Verbrechen macht sich dieses Buch schuldig:

  • Der Standpunkt unserer Argumentation und die Methode, der sich unsere Kritik verdankt, ist nirgends "ausgewiesen". Wir wollten mit diesem Buch ja auch nicht den Pluralismus philosophischer Auffassungen bereichern, und konnten deswegen auf die Beteuerung, mit der man sich in diesen Pluralismus einreiht, verzichten, daß unsere Argumente nur bedingt Geltung beanspruchen, nämlich nur dann für richtig befunden sein wollen, wenn jemand unsere Absicht teilt. Hinweise darauf, daß unsere Kritik nichts taugt, finden sich also an keiner Stelle. Wenn unsere Gegner sie vermissen, dann sollen sie uns nicht ihre intellektuellen Gepflogenheiten unterstellen, sondern uns nachweisen, daß unsere Einwände auf einem parteilichen Vorurteil beruhen. Wenn ihnen letzteres gelingt, stampfen wir unser Buch wieder ein.
  • Gänzlich unbeherzigt blieb auch der Lehrsatz: Erst verstehen, dann kritisieren." Obwohl dieser Lehrsatz so plausibel ist - weil seine Umkehrung: "Erst kritisieren, dann verstehen." so blöd ist, daß sie auf niemanden zutrifft. Das macht ihn allerdings nicht richtiger. Das Begreifen und Kritisieren ist nämlich weder so noch so ein Problem der richtigen Reihenfolge. Einen falschen Gedanken begreifen ist dasselbe wie seinen Fehler erkannt zu haben. Vor dem Begreifen soll man also diesem Lehrsatz zufolge Gedanken verstehen; nämlich im zweiten Sinn des Wortes: den Gedanken verständlich, plausibel finden, ihn so vorstellen, daß er dem Verstand einleuchtet. Danach erst darf man die dann überflüssige kritische Frage stellen, ob der einleuchtende Gedanke auch stimmt. Diese Erlaubnis von Kritik dann, wenn zwischen Kritiker und Kritisiertem prinzipielle Übereinstimmung herrscht, es also nichts mehr zu kritisieren gibt, dafür aber Verbesserungsvorschläge für eine verkehrte Weltsicht eingereicht werden dürfen, wollten wir gerade nicht in Anspruch nehmen.
  • Übersehen wurde auch, daß unsere Einwände gegen Münchner Philosophen in deren Lehre längst berücksichtigt sind. All die theoretischen Widersprüche, die wir ihnen nachweisen, kennen sie schon; sie betreuen sie als die methodischen Probleme ihrer Disziplin. Die Haltlosigkeit ihrer falschen Gedanken verstehen sie als Auftrag zu deren Fortentwicklung und "Immunisierung". Wo solche Sorge herrscht, macht es sich der Kritiker zu einfach, wenn er Fehler ausräumen will, anstatt sie als Motor des theoretischen Fortschritts gelten zu lassen und sich an diesem Fortschritt zu beteiligen.
  • Die zitierten Textstellen, die das kritisierte Gedankengut belegen sollen, wurden wieder einmal aus dem Zusammenhang gerissen. Wir hatten nämlich auch etwas anderes vor, als schon vorhandenes philosophisches Schriftgut nochmals abzudrucken. Daß vor und nach einem Zitat im Original noch manches zu lesen ist, schien uns kein Einwand dagegen zu sein, den darin enthaltenen Gedanken für sich und einen nach dem anderen zu beurteilen. Zumal es uns immer noch gelungen ist, den herausgegriffenen Textstellen ihren Zusammenhang zu entnehmen; sonst könnte man sie aus demselben auch nicht herausreißen.
  • Und schon der Titel. Als gäbe es die Münchner Philosophie und nicht ein paar Dutzend Individuen, die sich aus den verschiedensten theoretischen Interessen heraus dazu berufen fühlen, den Beruf des Philosophen zu ergreifen und zufälligerweise in München untergekommen sind. Wer einmal in einer Sitzung des Fachbereichsrats den von der Sorge um die Einheit der Lehre getragenen Schacher um die zu besetzenden Posten am Institut mitbekommen hat, der mag daran ohnehin nicht mehr glauben. Eher schon ist das umgekehrte Mißverständnis auszuräumen. Intendiert ist mit diesem Buch schon die Kritik der Philosophie überhaupt. Daß es sein Belegmaterial aus den veröffentlichten und gelehrten Ein- und Ansichten der Münchner Vertreter dieses Faches bezieht, hindert letztere jedenfalls nicht daran, hauptamtlich als Philosophen aufzutreten. Die Philosophie ist eben im allgemeinen wie im besonderen ein Fehler; auch wenn sie ganz einzeln daherkommt.

Aus all diesen Einwänden geht hervor, daß man dieses Buch gar nicht gelesen zu haben braucht, um mit ihm fertig zu sein. Man muß sich nur von der Einsicht leiten lassen, daß sich die Münchner Philosophie nicht kritisieren läßt...